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Chessy

DSJ - FORUM
Ausgabe 1998 - 03


Jugend von heute - wohin führt der Weg?

Mannigfaltig sind die Klagen über das gesellschaftliche Desinteresse der Jugend. Sie engagiere sich nicht mehr, sie hängt lieber der „Nullbockstimmung“ nach, sie zeigt kein Interesse mehr an ehrenamtlicher Arbeit, an sozialer Mitarbeit. Der eine macht dies fest an einem Gefühl, das ihn beschleicht, wenn er einen Blick auf die Jugend wirft, der nächste versucht dies wissenschaftlich zu belegen, durch Befragungen, durch punktuelle Stimmungsbilder.

Wer aber ist so kritisch, daß er bei sich selbst anfängt und die Strukturen untersucht, die ja auch schuld sein können am Desinteresse der Jugend?

Opas Verein ist tot, seine Prinzipien greifen nicht mehr, nur viele bekommen dies nicht mit und verfahren nach dem Motto weiter so.

Seit einiger Zeit bemüht sich die DSJ um die Mitwirkung der Jugendlichen an der täglichen Arbeit über das Amt des Jugendsprechers. Auf der DSJ - Ebene ist der Jugendsprecher 1996 eingeführt worden. In den Ländern zieht man nach.

Doch ein Blick in die tägliche Arbeit zeigt, oft handelt es sich um eine Alibiaktivität. Das Amt ist geschaffen, doch wer geht den weiteren Schritt und untersucht die Strukturen auf weitere Schwächen für eine aktive Mitarbeit der Jugend?

Das Amt alleine macht keine Wege frei für Mitgestaltungschancen von Jugendlichen. Da bedarf es weiterer Schritte.

Der Bundesjugendsprecher Patrick Wiebe hat einige Aktivitäten entwickelt, um die Organisation Schachjugend zu animieren, sich zu öffnen für ein aktives Mitgestalten der Jugend.

Das DSJ - FORUM wird einige dieser Aktivitäten in den folgenden Ausgaben aufgreifen und zur Diskussion stellen.

Der Anfang wird gemacht mit einigen grundsätzlichen Gedanken zur Teilnahme von Jugendlichen, wobei es sich um einen Artikel für die Zeitschrift „Olympische Jugend“ der Deutschen Sportjugend handelt und daher problemlos im folgenden Artikel vom Leser die „Deutsche Sportjugend“ durch die „Deutsche Schachjugend“ ersetzt werden kann.

Partizipationsmodelle in Sportverbänden - Quo vadis ?

Viele Vereine und Sportjugenden klagen seit Jahren über sinkende Mitgliederzahlen und das zunehmende Desinteresse von Jugendlichen, sich ehrenamtlich zu engagieren. Liegt die Abkehr der Jugendlichen von den Sportverbänden vielleicht an den jugendfeindlichen Strukturen und zu geringen Beteiligungsmöglichkeiten?

Vergreiste Vorstände, langweilige Sitzungen und veraltete Strukturen prägen vielerorts die Führungsarbeit in Sportverbänden. Immer mehr Jugendliche beklagen die momentane Situation und wenden sich mit aufgestautem Frust von den Sportverbänden ab. Der viel diskutierte Wandel der Jugendkultur und die veränderten Rahmenbedingungen erfordern von den Sportverbänden eine Umorientierung, um nicht den Anschluß an kommerzielle Anbieter zu verlieren. Einige Sportvereine haben schon reagiert und Trend- und Funsportarten in ihre Angebote mit aufgenommen. Aber auch die Führungsarbeit in den Sportverbänden wird sich ändern müssen, um den neuen Anforderungen gerecht werden zu können. Wird die Sportjugend auf Bundesebene dazu die nötigen Zeichen setzen, damit der dringend notwendige Strukturwandel weiter fortgesetzt wird?

Gesetzliche Grundlagen

Die Sportverbände erhalten als anerkannte Träger der freien Jugendhilfe Sport- und Jugendfördermittel aus der öffentlichen Hand. Mit diesen Geldern können die Sportverbände Übungsleiter, Sportstätten, Sportgeräte, Freizeiten, Ausbildungen, Studienfahrten und Jugendräume finanzieren. Damit die Sportverbände als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt werden, müssen die Jugendverbände und Jugendgruppen ein satzungsgemäßes Eigenleben, eine Jugendordnung und die eigenverantwortliche Verfügung über die zur Jugendarbeit bereitgestellten Mittel gewährleisten. Grundlage dafür ist die demokratische Willensbildung und ein demokratischer Organisationsaufbau innerhalb der Jugendgemeinschaft (vgl. KJHG § 11, 12 und 74). In den Ausführungsgesetzen auf Länderebene wird die Eigenständigkeit der Träger der freien Jugendhilfe genauer definiert.

Jugendsprecher

Die Eigenständigkeit eines Trägers der freien Jugendhilfe wird grundlegend in der Jugendordnung festgeschrieben. Die Jugendordnung regelt beispielsweise, daß mindestens ein gewählter jugendlicher Vertreter mit Sitz und Stimme im Vorstand anwesend sein muß. Viele Sportverbände haben daraufhin das Amt des Jugendsprechers eingeführt, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Einerseits können Jugendsprecher durch ihr Amt viele neue Impulse für den Verband geben und zu einer aktiven Beteiligungskultur von Jugendlichen beitragen, andererseits dient das Amt des Jugendsprechers vielen Funktionären als Alibi, wenn sie nach den Partizipationsstrukturen befragt werden. Es gibt verschiedene strukturelle Vorschläge für Partizipationsmodelle von Jugendlichen. So sind ein Jugendvorstand, bestehend aus Jugendlichen und Jugendparlamente auf regionaler Ebene keine neuen Forderungen (vgl. Jugend für Jugend /dsj 1996). Die angefangene Verwirklichung des Partizipationsgedankens muß wieder aufgegriffen und weitergedacht werden. Die Deutsche Sportjugend trägt hier eine große Verantwortung, da sie als Beispiel für andere Sportverbände fungiert.

Thesen

In einem Positionspapier anläßlich des Bundesjugendtreffens im Mai 1997 wurde die provokative Frage aufgeworfen, ob die deutschen Sportverbände „reif für die Jugend“ sind. Beim Lesen dieser sechzehn Thesen kommt man zu der ernüchternden Erkenntnis, daß viele Ziele der Mitbestimmung von Jugendlichen noch nicht erreicht worden sind oder gar nicht erreicht werden wollen. Mitbestimmung von Jugendlichen in zentralen Handlungsfeldern wie Leistungssport und Finanzierung sind leider immer noch Tabuthemen. Die Vor- und Leitbilder, die in den veralteten Vorständen gegeben werden, regen die Jugendlichen nicht zur ehrenamtlichen Tätigkeit an, sondern führen zu Frusterlebnissen und Abwendung. Dabei würden demokratische Partizipationsmodelle in Sportverbänden der Sportbewegung helfen, schneller und zeitgemäß auf einen Wandel der Jugendkultur zu reagieren. Außerdem können gesellschaftliche Tendenzen wie Hedonismus und Individualismus abgefedert werden (vgl. Roland Grabs 1997).

Politik

Diese strukturellen Bedingungen in den Sportverbänden sind seit Jahren bereits bekannt und viel bejammert. Der eigentliche Wandel der Beteiligungskultur von Jugendlichen hat sich auf der politischen Ebene ereignet. Durch gesetzliche Veränderungen im KJHG § 8 haben die Politiker Grundlagen für neue Partizipationsmodelle geschaffen: „Kinder und Jugendliche sind entsprechend ihrem Entwicklungsstand an allen sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen.“ Das Jugendfördergesetz in Schleswig-Holstein verpflichtet die Gemeinden sogar, die Jugendlichen an Entscheidungsprozessen zu beteiligen (vgl. JuFÖG Schl.-H. 1992). Kinderplanungsbüros, Kinderanwälte, Kinderfreundlichkeitsprüfungen und Jugendräte sind in den letzten Jahren zu wichtigen Bestandteilen der Kinder- und Jugendpolitik geworden. Eine stärkere interessen- und bedürfnisbezogene Jugendarbeit, bei der die Mitgestaltungsmöglichkeiten der Jugendlichen berücksichtigt werden, ist die logische Folge (vgl. Jugendarbeit in der Kommunalpolitik auf der Grundlage des KJHG 1993 v. Arthur Christiansen). Einige Wissenschaftler haben, aufbauend auf diesen neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen, das Konzept der Beteiligungsspirale entwickelt. Diese projektorientierte Partizipationspädagogik zeigt einen möglichen Weg für die Zukunft auf. Die Veränderungen der heutigen Jugendkultur begünstigen die Form eines projektorientierten Beteiligungsverfahren und die kommunikative Interaktion der Jugendlichen als bewußte Auseinandersetzung mit der Umwelt. In Planungszirkeln und Zukunftswerkstätten werden soziale Phantasien entwickelt und Demokratieverständnis vermittelt. Die Beteiligung von Jugendlichen auf allen Ebenen eines Projektes bis zu seiner Realisierung läßt sich in der Form der Beteiligungsspirale verwirklichen (vgl. Planen mit Phantasie Prof. Stange 1996).

Zukunftsgedanken

Die Sportverbände können einiges aus dieser neuen Beteiligungskultur von Kindern und Jugendlichen in der Politik lernen. Das Ziel der Entwicklung einer Gesellschaft mit neuen Werte- und Zielvorstellungen ist programmatisch für die Beteiligungsspirale. Eine Orientierung an den Alltagsbedürfnissen und das Konzept der Alltagsdemokratie muß auch endlich in den Sportverbänden übernommen werden. In der Sportjugend Niedersachsen hat sich mit dem Juniorteam ein erster ernstzunehmender Ansatz für neue Partizipationsmodelle in den Sportverbänden entwickelt. Die Politiker sind aufgerufen nicht länger die Jugendkriminalität, die Politikverdrossenheit und die allgemeine Verwahrlosung der Jugend einfach nur zu beklagen, sondern ihre Ursachen, die Perspektiv- und Orientierungslosigkeit, zu bekämpfen. Die Deutsche Sportjugend als größter Jugendverband trägt eine entscheidende Rolle bei dieser Aufgabe und muß sich aktiv für eine strukturelle Veränderung der Partizipationsstrukturen in den Sportverbänden engagieren und sie selbst vorleben. Mit der projektorientierten Partizipationspädagogik verfügen auch die Sportverbände über eine interessante Möglichkeit neue Wege in der Beteiligung von Jugendlichen auszuprobieren.

Patrick Wiebe

Aufsichtspflicht im Jugendbereich

Das Hauptthema des letzten DSJ-FORUMs stieß bei den Lesern auf großes Interesse, wie uns durch mehrere Zuschriften und Anmerkungen signalisiert wurde. Ingo Ebert schickte zum Beispiel folgende Mail:

„Eine gute Quelle für Informationen zum Thema Aufsichtspflicht etc ist das Buch „Der eingetragene Verein“, Sauter + Schweyer, Verlag CH Beck, ISBN 3 406 38092 1, oder aber die CD - Rom „BGH - Rechtssprechung“, Verlag Recht und Praxis, ISBN 3 8232 9445 8. Vor allem auf der CD kann man gut sortiert und geordnet die aktuelle Rechtsprechung ab 1950 finden.“

Schachuhren für Kenia

Der Präsident des DSB ruft die Vereine auf zur aktiven Hilfe des Schachverbandes von Kenia. In vielen Ländern der dritten Welt entwickelt sich eine Schachkultur. Diese Entwicklung wird oftmals gehemmt durch wirtschaftliche Nöte und Zwänge. So sind zum Beispiel Schachuhren ein unerschwingliches Wirtschaftsgut. In unseren Vereinen jedoch schlummern in den Ecken der Materialschränke viele nicht mehr genutzt Uhren, die für uns als defekt gelten, weil hier und da ein Mechanismus ausgefallen ist und sich kaum einer findet, diese zu reparieren. Man scheut sich, die Uhren wegzuwerfen, vielleicht findet sich ja doch mal eine gute Seele, und dann liegen sie im Verein ungenutzt herum.

Der Schachverband Kenias nun wiederum bittet um die Übersendung dieser defekten Uhren. Sie haben genügend Spezialisten, die gerne diese Uhren reparieren und für die Schachspieler Kenias stellen diese Uhren einen großen Wert dar.

Der Präsident des DSB - Egon Ditt - ruft die Vereine auf, nicht mehr genutzte Uhren auszusortieren, zu sammeln und sie über die Landesverbände, die als Sammelstelle für diese Uhren fungieren, an die Schachspieler Kenias weiterzuleiten!

Die DSJ unterstützt diesen Aufruf und bittet ebenfalls die Vereine, sich an der Aktion zu beteiligen.

Das Auswärtige Amt in Bonn unterstützt die Aktion und verschifft kostenfrei die Uhren nach Kenia.

Wir möchten 500 Uhren zusammenbekommen! Bitte schieben Sie die Aktion nicht vor sich her, machen Sie sofort mit, sortieren Sie die ungenutzten Uhren aus und senden Sie diese an Ihren Landesverband (Geschäftsstellen) in einem gut verpackten Paket.

Jörg Schulz

Schachgeschirr

Mit einem neuen Geschirr für alle Schachfreunde wartet der Schachclub Windischeschenbach auf.

Das Gedeck mit Schachdekor wurde von der Vorstandschaft selbst entworfen und von der Firma Winterling Porzellan eigens für den Club gefertigt. Das Gedeck dürfte für Sammler interessant sein, da es nur in einer limitierten Auflage produziert wurde. Wer Interesse an diesem Gedeck hat, kann sich bei Horst Keßler (09681/2842 oder Stefan Simmerl (09681/2654 melden.


Impressum DSJ-FORUM

Herausgeber: Deutsche Schachjugend
http://Deutsche-Schachjugend.de/
Verlag: JugendSchachVerlag, Partner der Deutschen Schachjugend
Redaktionsanschrift: Geschäftsstelle Deutsche Schachjugend, Jörg Schulz, Hanns-Braun-Str. Friesenhaus I, 14053 Berlin.

Das DSJ-FORUM ist das Informationsblatt der Deutschen Schachjugend. Es erscheint 10 mal im Jahr als Beilage der Zeitung JUGENDSCHACH.
DSJ-FORUM wird gefördert aus Bundesmitteln des Ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

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© 1.98 by Gerhard Hund (TeleSchach) für die DSJ in der Deutschen Sportjugend | Update 18.11.2001