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Deutsche Schachjugend |
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Jugendversammlung der DSJ –
Sacharbeit und Informationsaustausch stehen im MittelpunktJugendversammlung in Heidelberg … oder Heilbronn?
Die Deutsche Schachjugend ist, und das ist bekannt, seit vielen Jahren eher „nordlastig“. Dass das geographische Bild Süddeutschlands daher bei einigen eher schwammig ist, ist daher nicht weiter verwunderlich. Aber dass ausgerechnet ein „Neu-Bayer“, also diesmal aus dem Süden kommend, sich erstmal nach Heilbronn verirrt, ist daher schon fast ein bisschen tragisch.
Zu ihrer jährlichen Jugendversammlung (JV) trafen sich der Vorstand der DSJ und die Vertreter von dreizehn der 17 Landesschachjugenden Anfang März in Heidelberg (nicht Heilbronn!). Seit einigen Jahren werden auf diesen Hauptversammlungen nicht mehr nur die „üblichen“ Punkte wie Neuwahl des Vorstands, Beschlussfassung über Anträge, sowie Ehrungen, abgearbeitet, sondern die JV dient auch als Forum zur Diskussion und Planung der zukünftigen gemeinsamen Arbeit.
Parlamentarischer Teil
Rechenschaftsbericht
In den letzten vier Jahren hat die Schachjugend es wieder geschafft, die Kräfte auf die sachliche Arbeit zu richten. Seither sind auch die Jugendversammlungen von einer kollegialen und konstruktiven Atmosphäre geprägt. So auch in Heidelberg. Der gesamte Vorstand wurde einstimmig entlastet – die Landesschachjugenden zeigten sich zufrieden mit der geleisteten Arbeit im vergangenen Jahr.
Wahlen
Ähnlich einvernehmlich verlief auch die Wiederbesetzung der offenen Vorstandsposten. Die beiden Jugendsprecher Thorsten Haber und Eike Schwede, sowie der stellvertretende Vorsitzende Helmut Schumacher, standen nicht mehr für eine Wiederwahl zu Verfügung. Alle drei werden aber die Schachjugend in Arbeitskreisen weiterhin unterstützen. Der 1. Vorsitzende der Schachjugend, Patrick Wiebe, dankte allen drei ausscheidenden Kollegen für die jahrelange, hervorragende Arbeit.
Wieder gewählt wurden Rainer Niermann zum stellvertretenden Vorsitzenden, Christian Goldschmidt zum Referenten für Schulschach und Michael Klein als Referent für Öffentlichkeitsarbeit. Jan Pohl rückte vom Referenten für allgemeine Jugendarbeit zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden auf.
Neu ins Team wählte die Versammlung Janir Feinshtein als Referent für allgemeine Jugendarbeit. Janir ist Student und konnte bereits Erfahrungen in Arbeitskreisen der Schachjugend sammeln. Mit Christina Loose ist nun endlich auch einmal wieder eine Frau in der DSJ präsent. Als Jugendsprecherin ist es ihre Aufgabe, die Belange der Jugendlichen direkt in der Schachjugend zu vertreten. Sie hat bereits in Bayern maßgeblich am Aufbau eines Juniorteams mitgewirkt und ist fest im bundesweiten Jugendsprechernetzwerk integriert. Der zweite Jugendsprecherposten wird nun von Christian Dietrich besetzt. Der Niedersachse hat sein Engagement auf Vereinsebene und bei der Betreuung von Schulschachgruppen bereits unter Beweis gestellt und wird nun auch auf nationaler Ebene wirbeln.
Anträge
Die Beschlussfassung über die vorliegenden Anträge begann spannend. Bisher sollte jede Delegation der Landesschachjugenden auf den Jugendversammlungen mindestens ein jugendliches Mitglied haben. Der Antrag des Vorstands sollte dies nun zu einer Pflicht-Bestimmung machen und folgte damit einem Vorschlag von Delegierten auf der letzten Jugendversammlung. Nach kontroverser Diskussion wurde die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit mit 167 zu 80 Stimmen knapp erreicht. Damit wurde die Bedeutung der jugendlichen Mitarbeiter in der Schachorganisation weiter gestärkt.
Eine weitere organisatorische Änderung war der Beschluss einer Abschaffung der Herbsttagung. Diese hatte in den vergangenen Jahren mehr und mehr an Bedeutung und Resonanz verloren und soll nun bei Bedarf durch Strategietagungen ersetzt werden.
Weiterhin beschlossen wurde eine Spezialisierung der Regelung von Säumniszuschlägen. Auch die vorliegenden Anträge zu Änderungen der Spielordnungen wurden mit deutlichen Ergebnissen angenommen. Abgelehnt wurde jedoch ein Antrag auf eine weitere Festlegung der Betreuerregelung bei Mannschaftsturnieren. Dem jeweiligen Turnierleiter bleibt damit ein Ermessensspielraum erhalten.
Ehrung
Abschließend noch ein Höhepunkt der Veranstaltung. Nach etlichen Jahren verlieh die Deutsche Schachjugend wieder ihre höchste Auszeichnung. Für seine langjährigen Verdienste um das Schulschach in Deutschland wurde Kurt Lellinger mit der Goldenen Ehrennadel der DSJ ausgezeichnet. Lellinger war nicht nur in den 90ern Schulschachreferent der DSJ, sondern baute quasi im Alleingang die Deutsche Schulschachstiftung auf. Dass diese Idee, vor gut 10 Jahren geboren, überhaupt umgesetzt wurde, ist maßgeblich dem unglaublich großen Engagement Kurt Lellingers zu verdanken. Mit dem Schulschachpatent gelang der Stiftung nun vor zwei Jahren der Durchbruch. Kurt Lellinger hat sich dabei wie kein anderer um das deutsche Schulschach verdient gemacht.
Programmatischer Teil
Der programmatische Teil der Versammlung umfasste die Vorstellung der Arbeitsschwerpunkte 2004 sowie einige Projektpräsentationen:
Arbeitsschwerpunkte 2004
Im Arbeitsschwerpunkt „Schach mit Kindern U8“ werden in diesem Jahr die entwickelten Ansätze in der Praxis angewandt. Die Arbeitsgruppe hat umfangreiche Konzepte und Materialien entwickelt, wie die Arbeit mit Kindern gestaltet werden sollte. Bereits im Februar fand das erste Pilot-Turnier für die Zielgruppe in Hessen statt, weitere Turniere mit regionalem Bezug sollen folgen. Die Ergebnisse werden dann bis zum Anfang nächsten Jahres ausgewertet und präsentiert. In diesem Zusammenhang beschloss die Jugendversammlung auch ein Positionspapier der DSJ zum Schach mit Kindern.
Im Bereich der Schulschacharbeit konnte im letzten Jahr ein Durchbruch erzielt werden. Gemeinsam mit der Deutschen Schulschachstiftung gelang es, das „Schulschachpatent“ (nähere Infos auf unserer Homepage) als Qualifikationsnachweis weiter zu etablieren. Fast 300 Personen haben das Patent mittlerweile erworben. Mit Hilfe der Multiplikatoren sollen in diesem Jahr dann bundesweit Lehrgänge angeboten werden. Weitere Maßnahmen zur Aktivierung der Schulschacharbeit sollen von einer neu eingesetzten Arbeitsgruppe Schulschach erarbeitet werden.
Die Deutsche Jugendeinzelmeisterschaft findet auch in diesem Jahr wieder im Sauerland Stern-Hotel in Willingen statt. Auch wenn die Unterkunftskosten für die Delegationen in diesem Jahr günstiger sind, als im letzten Jahr, so ist sich die DSJ der Problematik der absolut hohen Kosten bewusst und wird verstärkt nach alternativen Austragungsorten für die kommenden Meisterschaften suchen.
Neu ist in diesem Jahr das parallel zur Meisterschaft stattfindende U25–Open. Damit soll nicht nur ein Angebot für mitreisende jugendliche Betreuer geschaffen werden, sondern auch für ehemalige Teilnehmer, die zu alt für die DEM sind, aber dennoch das tolle Flair der Meisterschaft genießen wollen! Natürlich können auch die Teilnehmer des Open an dem kompletten Rahmenprogramm teilnehmen.
Projektpräsentationen
Der „Tag des Schachs“, der jährlich Ende August stattfindet, wird in diesem Jahr unter Federführung der DSJ durchgeführt. Das Motto wird auch in diesem Jahr lauten: „Duell der Städte“, allerdings nach modifizierten Regeln durchgeführt. Nachdem in den vergangenen beiden Jahren die Beteiligung sehr enttäuschend war, soll in diesem Jahr nun ein großer Schritt nach vorne getan werden. Wichtig ist die Unterstützung des Projekts durch die Landesverbände, in diesem Jahr speziell durch die Landesschachjugenden. Nur mit ihrer Hilfe wird der „Tag des Schachs“ tatsächlich zu einer bundesweiten Resonanz kommen, wird seine volle Wirkung in der Öffentlichkeit entfalten können. Sie müssen die Vereine direkt ansprechen und für die Veranstaltung werben. Als Beispiel dient Schleswig-Holstein. Im letzten Jahr tat der Landesverband nichts anderes, als mit einigen Vereinsverantwortlichen zu telefonieren – keine große PR-Aktion und Aufrufe waren nötig, um Vereine zum Mitmachen zu bewegen. Das Resultat: das kleine Bundesland im Norden stellte genauso viele Teilnehmerstädte wie alle anderen Länder zusammen!
Die DSJ wird die Veranstaltung aber auch zusätzlich unterstützen. Als zentrale Maßnahme wird sie an dem letzten Augustwochenende ein Zeltlager aufschlagen und mit den teilnehmenden Kindern von dort aus am Tag des Schachs in der Region unterwegs sein. Ein Veranstaltungsort für dieses Zeltlager wird übrigens noch gesucht! Weiterhin stellt der DSB den Vereinen ganz neue Werbematerialien zur Verfügung.
Mit ein bisschen Glück steht uns in naher Zukunft ein Großereignis der besonderen Art ins Haus. Die Stadt Dresden und der Deutsche Schachbund bewerben sich um die Schacholympiade 2008! Die Schacholympiade zählt zu den größten Sportveranstaltungen der Welt und wird entsprechend weite Kreise ziehen. Erhält Dresden den Zuschlag, so soll die Zeit bis 2008 dazu genutzt werden, das deutsche Schach vom Kopf auf die Füße zu stellen. Mit diesem Zugpferd soll Schach breitenwirksam in die Öffentlichkeit getragen werden und der Sport endlich „aus den Hinterzimmern“ heraustreten.
Betont werden muss an dieser Stelle: die Kosten, sowie die Risiken der Ausrichtung der Schacholympiade werden nicht vom Schachbund selbst getragen, sondern von Stadt, Land und weiteren Geldgebern. Die in dem Zusammenhang mit der Olympiade diskutierten Beitragserhöhungen im DSB werden nur und ausschließlich eingesetzt für Maßnahmen, die dem deutschen Schach selbst zu gute kommen. Aus DSJ-Sicht sollen z.B. in der dreijährigen Vorlaufzeit zahlreiche Maßnahmen im Schulschach durchgeführt werden und ein Olympiacamp für Kinder und Jugendliche könnte ein Projekt während der Olympiade selbst sein.
Die Zeit bis zur Schacholympiade soll dazu genutzt werden, die Schachorganisation offener und kreativer zu gestalten, die Vereine in die Öffentlichkeit zu locken und so letztlich auch die Mitgliederzahlen zu steigern. Die Schacholympiade bietet eine herausragende Chance, Schach als interessante und herausfordernde Sportart zu positionieren.
DSB-Vizepräsident Gieseke nimmt Stellung
Besonders erfreulich war der Besuch des Vizepräsidenten des Schachbundes, Heinz-Jürgen Gieseke, der nicht nur repräsentieren, sondern auch zu aktuell wichtigen Themen im Schach Stellung beziehen wollte. Im Rahmen eines Interviews stellte er den Delegierten die derzeitige Situation im Schachbund vor. In erfrischender Offenheit analysierte er die Schwachstellen, die seit langem die Weiterentwicklung in der deutschen Schachorganisation erschweren. Das Bild des „trägen Tankers“ DSB, das er selbst vor wenigen Jahren prägte, habe sich noch nicht maßgeblich verändert. Die Möglichkeiten programmatischer Veränderungen und Neuerungen seien nach wie vor beschränkt, die programmatische Arbeit insgesamt immer noch nicht in das Blickfeld vieler Verantwortlicher gerückt.
Aber Gieseke zeigte sich zuversichtlich, dass die zum nächsten Bundeskongress vorgelegte Strukturreform ein erster Schritt in die richtige Richtung sei. Viel notwendiger sei aber ein Mentalitätenwechsel bei den Funktionären. Der Mut zur Veränderung müsse wieder größer werden, die Unterstützung der Vereine stärker in den Vordergrund treten. Dies sei natürlich das deutlich größere Hindernis auf dem Weg zu einem modernen Verband. Insbesondere die Aufgabe der Jugend sei es nun, den DSB weiter hinter sich her zu ziehen, die gute Arbeit der letzten Jahre fortzusetzen und die Bedenkenträger so weiter anzutreiben. Auch Gieseke stellte die Bedeutung der Schacholympiade bei dieser zentralen Aufgabe heraus. Die Olympiade biete genau diese Möglichkeit eines Mentalitätenwandels, der das gesamte deutsche Schach erfassen und so auch den DSB weiterbringen könne.
Bayerische Schachjugend eigener e.V.
Eine interessante Entwicklung hat sich in Bayern vollzogen. Hier wurde die Schachjugend zu einem selbstständigen eingetragenen Verein (e.V.) umgewandelt. Das Thema Eigenständigkeit der Schachjugenden wurde auch im letzten Jahr auf der Jugendversammlung diskutiert. In der Sportlandschaft kann das bayerische Modell nun als eine Art Pilotprojekt betrachtet werden, weshalb Helmut Stadler, Vorsitzender der Bayerischen Schachjugend (BSJ), darüber berichtete.
Speziell in Bayern ging diese Entwicklung vom Erwachsenenverband aus, der nicht länger die Haftung für die Handlungen der Schachjugend übernehmen wollte. Durch die neue Eigenständigkeit liegt diese nun direkt bei der BSJ.
Ein zentraler Punkt in diesem Modell ist die Finanzierungsfrage. Nach der Einigung hat die BSJ nun die Beitragshoheit über die Mitgliedsbeiträge der unter 25jährigen. Damit kann sie von Mitgliederzuwächsen in dieser Altersklasse direkt profitieren. Der Landesverband hat darüber hinaus weitere Verpflichtungen der BSJ übernommen.
Zweiter wichtiger Punkt ist der Einfluss der BSJ im Landesverband. Die BSJ ist nicht nur im erweiterten Präsidium, sondern auch im Kongress vertreten – mit der Stimmenzahl eines mittleren Bezirks, konnte also hier an Einfluss hinzugewinnen. Allerdings gibt es bestimmte Einschränkungen der Eigenständigkeit, die die grundsätzliche Anbindung der Schachjugend an den Erwachsenenverband garantieren sollen.
Die mit dem Modell bisher gemachten Erfahrungen sind positiv, derzeit aber natürlich noch auf einen kurzen Zeitraum beschränkt. Daher wird die Eigenständigkeit der BSJ auch weiterhin ein Thema bei der DSJ sein.
Allgemeine Jugendarbeit eine Säule der Jugendarbeit
Der programmatische Teil der Versammlung wurde schließlich abgerundet durch ein Grundsatzreferat von Jan Pohl zur Bedeutung der allgemeinen Jugendarbeit für die Schachjugend. Neben der schachsportspezifischen Arbeit und dem Schulschach bildet die allgemeine Jugendarbeit die dritte Säule der Arbeit. Dem Anspruch an eine Jugendorganisation kann die DSJ, können die Landesschachjugenden letztlich nur gerecht werden, wenn sie über den Tellerrand der reinen Sportförderung hinaus schauen und begreifen, dass der Verband auch in der Verantwortung steht, die Kinder und Jugendlichen in ihrer gesamten Entwicklung zu fördern. Gleichwohl ist der Sport dabei nicht in den Hintergrund abzuschieben, denn Schach bildet bei allen Maßnahmen, sei es beim Sommerlager, den Einzelmeisterschaften oder Fortbildungsseminaren die Klammer, die alles zusammenhält und den Sinn unserer gemeinsamen Arbeit stiftet. Das Referat sowie der Foliensatz stehen in Kürze zum Download auf der Internetseite der Deutschen Schachjugend bereit (www.deutsche-schachjugend.de).
Ein besonderer Dank geht an dieser Stelle noch mal an die Schachjugend Baden, die als ausrichtende Schachjugend nicht nur den Tagungsort organisierte, sondern auch alle Teilnehmer zu einer abendlichen Stadtführung durch die Straßen und Gassen Heidelbergs einlud.
Bezeichnend für den konstruktiven und harmonischen Verlauf der gesamten Sitzung war schließlich der Schluss der Versammlung. Zum ersten Mal seit Menschengedenken (?) schloss die Versammlung eine viertel Stunde vor der angesetzten Zeit.
Michael Klein
Referent für Öffentlichkeitsarbeit
Schach im Krankenhaus
Das Juniorteam der Bayerischen Schachjugend, kurz JET genannt, trifft sich am Mittwoch, den 7. April im Krankenhaus Schwabing in München, um den Kindern dort Schach beizubringen. Außerdem wird es eine Simultanvorstellung und ein kleines Turnier geben. Weitere Helfer sollen sich bei Regina Heyne (Tel. 08593/1298 oder E-Mail: regina.heyne@web.de) melden.
Impressum DSJ-FORUMHerausgeber: Deutsche Schachjugend
www.Deutsche-Schachjugend.de
Verlag: JugendSchachVerlag, Partner der Deutschen Schachjugend
Redaktionsanschrift: Geschäftsstelle Deutsche Schachjugend, Jörg Schulz, Hanns-Braun-Str. Friesenhaus I, 14053 Berlin.Das DSJ-FORUM ist das Informationsblatt der Deutschen Schachjugend. Es erscheint 10mal im Jahr als Beilage der Zeitung JUGENDSCHACH.
DSJ-FORUM wird gefördert aus Bundesmitteln des Ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
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